Summand für Summand ableiten und die Ergebnisse wieder addieren.
\[\left(f + g\right)' = f' + g'\]
Was die Regel besagt
Das Ableiten verteilt sich auf eine Summe: Die Ableitung einer Summe ist die Summe der Ableitungen. Das folgt direkt aus der Definition, denn der Grenzwert einer Summe ist die Summe der Grenzwerte.
Differenzen sind ebenfalls abgedeckt, denn \(f - g\) ist \(f + (-1)g\), und um die \(-1\) kümmert sich die Faktorregel. Die Regel gilt für beliebig viele Summanden mit beliebigen Vorzeichen.
In der Praxis ist sie die erste Regel für jeden langen Ausdruck: in Summanden zerlegen, jeden mit der passenden Regel ableiten, wieder zusammensetzen. Deshalb lässt sich ein Polynom mit fünfzehn Gliedern ohne einen einzigen schwierigen Schritt ableiten.
Wann sie gilt
Ein \(+\) oder \(-\) verbindet Summanden auf der obersten Ebene des Ausdrucks.
Jedes Polynom und jede Summe unabhängiger Funktionen wie \(e^{x} + \ln x\).
Vor jeder anderen Regel – erst zerlegen, dann pro Summand eine Regel wählen.
Fünf durchgerechnete Beispiele
Jede Zeile ist der Schritt, den auch der Rechner zeigen würde, in der Reihenfolge, in der er
die Regeln anwendet. Jeder Graph ist interaktiv: Fahre darüber, um beide Kurven abzulesen und die
Tangente zu sehen, deren Steigung die Ableitung ist; ziehen verschiebt, scrollen zoomt.
Potenzregel für den ersten, Variablenregel für den zweiten Summanden.
\[= 2x + 1\]
Ergebnis
\[2 x + 1\]
f ist eine Parabel und f′ die Gerade \(2x + 1\). Die Gerade schneidet die Achse bei \(x = -\tfrac{1}{2}\), genau unter dem Scheitelpunkt der Parabel. Links davon ist sie negativ, rechts positiv: f fällt erst und steigt dann.
Zwei verschiedene Regeln, eine pro Summand – genau dafür zerlegt man zuerst.
Nahe dem Ursprung dominiert der Logarithmus, und f′ ist riesig; weiter rechts übernimmt die e-Funktion, und beide Kurven schwingen sich gemeinsam nach oben.
Die Summanden müssen nichts miteinander zu tun haben – jeder wird für sich abgeleitet.