Abseits des Knicks ist die Betragsfunktion eine Gerade mit der Steigung \(\pm 1\).
\[\frac{d}{dx}\left|x\right| = \operatorname{sgn} x, \; x \neq 0\]
Was die Regel besagt
\(\left|x\right|\) ist \(x\) für positive \(x\) und \(-x\) für negative \(x\). Die Steigung ist also rechts \(+1\) und links \(-1\) – genau die Signumfunktion \(\operatorname{sgn} x\).
Bei \(x = 0\) gibt es überhaupt keine Ableitung. Von rechts kommend ist der Differenzenquotient \(+1\), von links \(-1\); die einseitigen Grenzwerte stimmen nicht überein, also existiert der beidseitige Grenzwert nicht. Der Graph hat dort einen Knick, keine Tangente.
Bei zusammengesetztem Argument gilt wie üblich die Kettenregel: \(\frac{d}{dx}\left|u\right| = \operatorname{sgn}(u)\,u'\), gültig überall dort, wo \(u \neq 0\).
Wann sie gilt
\(\left|x\right|\) oder \(\texttt{abs(x)}\), allein oder in einem größeren Ausdruck.
Überall, wo das Argument ungleich null ist – an den Nullstellen des Arguments ist das Ergebnis nicht definiert.
Deckt auch \(\sqrt{x^{2}}\) ab, denn das ist \(\left|x\right|\) und nicht \(x\).
Fünf durchgerechnete Beispiele
Jede Zeile ist der Schritt, den auch der Rechner zeigen würde, in der Reihenfolge, in der er
die Regeln anwendet. Jeder Graph ist interaktiv: Fahre darüber, um beide Kurven abzulesen und die
Tangente zu sehen, deren Steigung die Ableitung ist; ziehen verschiebt, scrollen zoomt.
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Beispiel 1
\[\frac{d}{dx}\left[\left|x\right|\right]\]
Nach Vorzeichen aufteilen: Der Graph ist erst \(-x\), dann \(x\).
\[\left|x\right| = \begin{cases} x & x > 0 \\ -x & x < 0\end{cases}\]
Jedes Stück ist eine Gerade mit Steigung \(+1\) oder \(-1\).
Das V und seine Stufe. f′ springt im Ursprung von \(-1\) auf \(+1\), ohne einen Wert dazwischen – und genau diese Lücke ist der Punkt: Ein Knick hat keine Tangente. Fahre knapp links und rechts daran vorbei, und die Anzeige wechselt das Vorzeichen, ohne einen Zwischenwert zu durchlaufen.
Bei \(x = 0\) nicht definiert – dort treffen die beiden Steigungen in einem Knick aufeinander.