Äußere Ableitung mal innere Ableitung: die äußere Funktion ableiten, das Innere unverändert lassen und mit der Ableitung des Inneren multiplizieren.
\[\left(f \circ g\right)' = f'(g)\,g'\]
Was die Regel besagt
Wird eine Funktion auf eine andere angewendet, multiplizieren sich die Änderungsraten. Ändert sich \(y\) dreimal so schnell wie \(u\) und \(u\) doppelt so schnell wie \(x\), dann ändert sich \(y\) sechsmal so schnell wie \(x\). In der Leibniz-Schreibweise ist die Aussage fast selbsterklärend: \(\frac{dy}{dx} = \frac{dy}{du}\cdot\frac{du}{dx}\).
Das praktische Vorgehen: äußere und innere Funktion erkennen, die äußere ableiten und dabei das innere Argument genau so lassen, wie es ist, dann mit der Ableitung der inneren Funktion multiplizieren. Der Faktor \(g'\), die innere Ableitung, wird am häufigsten vergessen.
Ketten lassen sich beliebig tief verschachteln. Bei \(\sin\!\left(\sqrt{x^{2}+1}\right)\) schälst du Schicht für Schicht ab und multiplizierst bei jedem Schritt einen neuen Faktor dazu.
Wann sie gilt
Eine Funktion wird auf etwas Komplizierteres als die bloße Variable angewendet.
Immer dann, wenn der innere Ausdruck selbst eine Regel zum Ableiten bräuchte.
Fünf durchgerechnete Beispiele
Jede Zeile ist der Schritt, den auch der Rechner zeigen würde, in der Reihenfolge, in der er
die Regeln anwendet. Jeder Graph ist interaktiv: Fahre darüber, um beide Kurven abzulesen und die
Tangente zu sehen, deren Steigung die Ableitung ist; ziehen verschiebt, scrollen zoomt.
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Beispiel 1
\[\frac{d}{dx}\left[\sin\left(3 x\right)\right]\]
Außen \(\sin\), innen \(u = 3x\). Die äußere Funktion ableiten und \(3x\) drinlassen.
Drei volle Schwingungen von f auf der Strecke, die \(\sin x\) für eine braucht, und eine Ableitung, die bis \(\pm 3\) statt \(\pm 1\) reicht. Die beiden Kurven bleiben die ganze Zeit um ein Viertel der gestauchten Periode versetzt.
Ohne den Faktor \(3\) wäre das Ergebnis um den Faktor drei falsch – der klassische Kettenregel-Fehler.
Eine steile Kurve um \(x = -\tfrac{1}{2}\), wo f und f′ gemeinsam die Null berühren – das Verhalten von \(x^{5}\) im Ursprung, verschoben und gestaucht.
Die fünfte Potenz vorher auszumultiplizieren ginge auch, wäre aber viel mehr Arbeit.